ZIRP um 8 – Big Data: Mehrwert durch Datennutzung

Daten sind der Rohstoff der Zukunft – und schon heute spricht jeder davon: Die einen warnen davor, sie preiszugeben; die anderen nutzen sie bereits ganz bewusst; andere fragen sich, wie sie sie im Unternehmen generieren und bereits vorhandene Daten nutzen können. Antworten auf diese und andere Fragen gaben die Referenten der Veranstaltung „ZIRP um 8 – Big Data: Mehrwert durch Datennutzung“ am 14. März 2017 im BIC in Kaiserslautern.

Technologische Entwicklung produziert riesige Datenmengen

Das erste Smartphone wurde gerade einmal vor zehn Jahren auf den Markt gebracht. Inzwischen verwenden weltweit Milliarden Nutzerinnen und Nutzer privat mobile Anwendungen und generieren so „User Driven Content“. Die Kosten der zugrundeliegenden Technologie sind in den letzten Jahren um 93 bis 95 Prozent gesunken, die Leistung der Technologie gleichzeitig enorm gestiegen. „Es wird immer günstiger, smarte und hoch effiziente Technologie einzusetzen. Dabei dienen mobile Technologien nicht nur dem Informationszugriff, sondern sie führen auch zu einer Flut an Daten“, so Professor Andreas Seufert, Direktor Institut für Business Intelligence an der Steinbeis Hochschule Berlin und Leiter des ICV-Fachkreises BI & Bi Data und des Business Innovation Lab an der Hochschule Ludwigshafen. Der Umgang mit unstrukturierten Datenmengen sei dabei die besondere Herausforderung. Im Kontext von Big Data gehe es aber nicht nur darum, dass umfassendere Daten zur Verfügung stehen, sondern vor allem um deutlich bessere Analysen und um neue Anwendungsfelder.

Physische Produkte werden durch digitale Produkte verdrängt

Diese können dazu beitragen, Unternehmen für das Internet der Dinge gut aufzustellen. Dabei reiche es nicht, nur die Wertschöpfungskette zu digitalisieren. Die ganze Organisation samt Geschäftsmodell müssten in den Blick genommen werden, um das gesamte Potenzial von Digitalisierung und Big Data auszuschöpfen. Insbesondere die Digitalisierung der Produkte werde oft noch vernachlässigt. Physische Produkte müssten neu und innovativ gedacht werden und durch smarte Produkte ersetzt werden. Der Einzug der Digitalisierung in Produkte und die so gewonnenen Informationen über das Nutzungsverhalten der Kunden böten noch viel Raum, um die Möglichkeiten von Big Data auszuschöpfen, so Seufert.

Big Data leistet Künstlicher Intelligenz Vorschub

Handlungsempfehlungen auf der Basis von Echtzeit-Analysen riesiger Datenmengen zu erstellen, ist für Dr. Stefan Wess, CEO und geschäftsführender Gesellschafter der Empolis Information Management GmbH, einer der Hauptnutzen von Smart Data: „Je mehr Informationen wir haben, desto besser fällt die Entscheidung für eine Handlung aus“. Smart Data ermögliche den Übergang von Information zur Aktion – und so zur richtigen (automatisierten) Handlung. Technologische Lösungen können Entscheidungen unterstützen oder auch zu einer vollständigen Entscheidungsautomatisierung führen. Diese Künstliche Intelligenz werde erst durch die Kombination von Big Data und technologischen Innovationen möglich: „Einer Maschine stehen aktuell nicht mehr nur 100 Fotos oder Schach-Strategiezüge zum Training zur Verfügung, sondern eine Datenmenge von Tausenden und Milliarden Informationen. Verbesserte Technologie bringt sie in die Lage, diese in Echtzeit zu verarbeiten“, erläuterte Wess. Wie erfolgreich dies sei, zeigten Beispiele, in denen Maschinen Menschen in hochkomplexen Spielen wie Schach oder Go schlugen. Im Zuge der Anwendung Künstlicher Intelligenz müsse aber auch die Frage nach Ethik und Moral in der Digitalisierung neu gestellt werden.

Kontakt zum Endkunden gewinnt an Bedeutung

Andreas Hufenstuhl, Director Big Data & Data Analytics bei der PricewaterhouseCoopers AG, äußerte sich optimistisch, dass Unternehmen in der Lage sind, die Möglichkeiten des Internets der Dinge gut zu nutzen: „Es ist alles  vorhanden: Die Daten sind vorhanden, die Plattformen auch. Jetzt wird vor allem unternehmerische Kreativität benötigt, um neue Geschäftsmodelle zu entwickeln und das Vorhandene zu nutzen“. Dabei gehe es in erster Linie darum, Prozesse neu, interdisziplinär und ohne Hierarchien zu denken, Bedarf und Lieferfähigkeit miteinander zu verbinden und smarte, kreative On-demand-Lösungen zu entwickeln. Dies sei auch für die Frage der Kundenbindung und -zentrierung von essentieller Bedeutung, da Lösungen aus einer Hand bevorzugt werden. Das „B to C Business“, also der direkte Kontakt zum Endkunden, gewinne im Kontext von Smart Data an Bedeutung. Unternehmen werden sich viel näher am Kunden bewegen. Die Beispiele Uber und Airbnb zeigen, wie Nutzer, also Anbieter und Kunde, durch große Datenmengen zusammengebracht werden können.

Datensparsamkeit statt Datenwust

Gleichzeitig widersprach Hufenstuhl dem Credo ‘je mehr, desto besser‘ und sprach sich stattdessen für einen bewussteren Umgang mit Daten und eine größere Datensparsamkeit aus: „Nicht alle Daten sind für mein Geschäftsmodell relevant. Als Unternehmer muss ich mich fragen, was ich wirklich brauche, um einen Mehrwert generieren zu können, und die Datensammlung im Anschluss anpassen“. Stattdessen schwirrten Daten mittlerweile ohne Bezug und Zweck überall herum, es fehle oftmals an Transparenz und ein Bewusstsein, welche Daten bereits vorhanden seien und wie diese genutzt werden könnten. Zugleich sei es wichtig, das Bewusstsein für die Sicherheit der Daten zu schärfen. Bei jeder neuen Einführung einer digitalen Lösung sollte die Cyber- und Datensicherheit mitgedacht werden. „Für den IT-Schutz können bereits mit einfachen Schritten effektive Vorkehrungen im Arbeitsalltag geschaffen werden,“ so Professor Andreas Seufert. Beispielhaft nannte er dafür die Verschlüsselung von E-Mails oder USB-Sticks sowie das regelmäßige Einspielen von Sofware-Updates.

Ein gutes Timing ist wichtig

Und ab welchem Zeitpunkt sollte sich ein Unternehmen mit der Nutzung und Analyse von Datenmengen auseinandersetzen? Die Notwendigkeit stelle sich dann, wenn man als Anbieter kein „Monopol“ mehr hat und andere effizienter werden; kurz gesagt: wenn der Wettbewerbsdruck steigt. Um auf dem Markt bestehen zu können, sollte sich dann ein Unternehmen fragen, welchen Mehrwehrt es aus seinen bereits vorhandenen Daten ziehen oder wie es Datenmengen gewinnen kann. Dabei spiele natürlich auch die Frage eine Rolle, wie man selbst auf den Markt reagieren möchte: Wollen wir die ersten sein? Oder kurz hinterher kommen? Es gelte, den Markt zu beobachten, gute Praxis zu adaptieren oder zu modifizieren, so Hufenstuhl. Nur wenn man mit offenen Augen durch den Markt geht, können Unternehmen schnell und agil bleiben. „Man darf den Zug nicht verpassen. Das Timing ist wichtig,“  hielt Dr. Stefan Wess fest.

Weitere Informationen

Präsentation von Dr. Stefan Wess (pdf)

Die nächste Veranstaltung in der Reihe “ZIRP um 8” findet am 30. Mai 2017, 8 Uhr, zum Thema “Digitalisierung in der Wertschöpfungskette” im Erbacher Hof in Mainz statt. Anmeldungen sind bis zum 23. Mai 2017 unter angelika.praus@zirp.de möglich. Das Programm der Veranstaltung und weitere Informationen zum Projekt “Wirtschaft 4.0” finden Sie auf der Website der ZIRP.

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