Digitalisierung im Mittelstand: Das Beste aus zwei Welten

In Deutschland hat der Mittelstand eine enorm hohe Bedeutung, über 99 % der Unternehmen in Rheinland-Pfalz gehören dem Mittelstand an. Mittelständische Unternehmen kommen auf dem Weg der Digitalisierung mit ganz unterschiedlichem Tempo voran. Manche zählen zu den Vorreitern der digitalen Transformation, einige sind gut gewappnet und auf dem richtigen Weg, andere befinden sich in einer recht frühen Phase der Strategiefindung. Wir haben mit Christian Weyer, Geschäftsführer und Managing Director bei Crispy Mountain, und Thorsten Winternheimer, Geschäftsführer der Druckerei Wolf aus Ingelheim, gesprochen und sie zur Digitalisierung im deutschen Mittelstand befragt.

Maschinen kommunizieren lassen, wo es geht

Für Thorsten Winternheimer ist ein wesentlicher Aspekt der Digitalisierung die Kommunikation und Vernetzung von Maschine zu Maschine. „Wo Maschinen mit Maschinen kommunizieren können, sollte man sie auch kommunizieren lassen“ führt Winternheimer an. Die richtige Software sei dabei ein wichtiger Grundbaustein. Von der Bedeutung der Software weiß auch Christian Weyer. „Software löst allerdings kein Problem, sie hat lediglich eine unterstützende Funktion“ gab Weyer uns immer wieder zu verstehen. Prozesse müssen vorab auf ihre Sinnhaftigkeit geprüft werden, sonst nütze die beste Software nichts.

Traditionelle Werte des Mittelstands

Als Avantgardist unter den Druckern im Bereich der Prozessoptimierung war es für die Wolf-Gruppe ein leichtes, sich von gewissen veralteten Prozessen zu lösen. Winternheimer vertritt da eine ganz klare Meinung: „Prozesse müssen manchmal ganz radikal angegangen werden und verändert werden. Selbstverständlich muss es Sinn machen. Dazu gehört ab und zu ein wenig Mut“. Doch nicht jeder Mittelständler geht so offen an seine Prozesse heran. Weyer sieht darin ein Problem der Wahrnehmung. Ein Umdenken in Prozessen oder die Automatisierung von Abläufen bedeute nicht, an den traditionellen Werten der deutschen Mittelständler rütteln zu wollen. Im Gegenteil, diese seien enorm wichtig für die deutsche Volkswirtschaft. Leider sehen das nicht alle KMUs so. Dabei lobt Weyer die Kultur der KMU, denn sie machen seiner Meinung nach intern viel richtig. Als Startup hat Crispy Mountain auch viel von Mittelständlern lernen können.
Viele Prozesse benötigen keinerlei Digitalisierung, da sie von Hand zu Fuß besser funktionieren. Auch innerhalb der Wolf-Gruppe gebe es ganz analoge Abläufe, weil sie einfach sinnführender seien. Da bestehe Winternheimer in keinem Fall auf digitalen Ummodelungen.

Keinen Vollautomatisierung verlangen

Viele Unternehmen gingen davon aus, alles auf einmal digitalisieren zu müssen und nicht gezielte Projekte auszuwählen und sich Schritt für Schritt an die Digitalisierung von Prozessen zu wagen. Digitalisierung dürfe nicht als vollständige Automatisierung von allem gesehen werden. Es gehe um eine sinnvolle Vernetzung von Maschinen, Unternehmen und Lieferanten. Hier wünscht Weyer sich ganz klar ein Umdenken bei den deutschen Mittelständlern und ist sich sicher: „Schritt für Schritt Automatisierung, einfache Benutzerschnittstellen und verschlankte Prozesse ermöglichen dabei einen erheblichen Produktivitätsgewinn für jedes Unternehmen, egal wie groß es ist.“

Reine Chefsache

Einig sind sich Winternheimer und Weyer vor allem in einem: Digitalisierung ist eine Angelegenheit für die Geschäftsführung. „Der Denkanstoß in Richtung prozessorientierter Digitalisierung muss von der Geschäftsführung kommen und nach Möglichkeit auch dort umgesetzt werden. Ist die Geschäftsführung dazu nicht in der Lage, muss sie diese Aufgabe an geeignete Mitarbeiter abgeben, diesen Prozess aber auch unbedingt mit begleiten“ so Thorsten Winternheimer. Auch für Weyer muss die Geschäftsführung die Bedeutung des Themas erkennen, sonst habe eine erfolgreiche digitale Transformation wenig Chance im eigenen Haus. Das versucht er auch stets Unternehmern klar zu machen, die sich an Crispy Mountain wenden.
„In vielen Unternehmen werden viel zu viele unterschiedliche Systeme und Softwares verwendet, die nicht in der Lage sind, miteinander zu kommunizieren. Wie sollen diese Systeme mit anderen Systemen aus anderen Unternehmen kompatibel gemacht werden?“ fragt sich Weyer. Diese Kompatibilität zu gewährleisten, sei die größte Aufgabe, der man sich im Zuge der Digitalisierung stellen müsse, erfahren wir von ihm, und dazu seien vernünftige Benutzerschnittstellen die Voraussetzung.

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